Am Donnerstag (2.11.) machten wir uns in Santa Ana ganz im Westen des Landes auf zur Playa Esteron im Südosten. Wir fuhren wieder per Bus über San Salvador, wo wir 2x umsteigen mussten. Als wir
dort den zweiten Bus verließen, wurden wir fast augenblicklich noch beim Überqueren der Straße von ca. zehn aufdringlichen konkurrierenden Busfahrern umzingelt, die alle gleichzeitig lautstark
und aufgebracht auf uns einredeten und uns fast in ihre Busse gezerrt hätten. Es fiel uns etwas schwer, uns nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, auf unsere Sachen aufzupassen und eine
vernünftige Entscheidung zu treffen. Romy bekam Angst und begann zu weinen. Schließlich flüchteten wir fast in den 301er, der laut unseres Reiseführers unser Bus nach San Miguel sein sollte, egal
ob andere früher fahren, billiger wären etc.
Da wir erst um 16.15 Uhr in San Miguel, der zweitgrößten Stadt El Salvadors, ankamen und es nicht vorm Dunkelwerden ins 1,5 Stunden entfernte El Cuco an der Küste geschafft hätten, übernachteten
wir in San Miguel in einem recht einfachen Hotel, dessen Besitzer uns netterweise abends mit seinem Auto in die City zu einer Pupusería fuhr, damit wir noch was zu essen bekamen. Aufgrund von
Allerseelen hatte nämlich fast alles zu. Dabei gewannen wir den Eindruck, dass San Miguel neben dem zwielichtigen Viertel rund um den Busterminal u.a. aus einer sehr US-amerikanisch wirkenden
Hauptstraße (ein Teil der Panamericana) besteht mit einem Burgerladen, Pizza Hut, Pollo Campero (Kentucky Fried Chicken aus Zentralamerika) u.ä. neben dem nächsten. Die Pupusas, ein
Nationalgericht, das fast an jeder Straße des Landes gerollt, gegrillt und verkauft wird, sind mit Käse, Bohnenmus oder anderen Sachen gefüllte Maismehlfladen, die so fettig waren und uns so
schwer im Magen lagen, dass wir uns schworen, künftig einen Bogen darum zu machen.
Am nächsten Tag fuhr uns der nette Besitzer noch zum Busterminal nach einem Abstecher zur Schule seines Sohnes, deren Tor wie vieles in diesen Ländern (v.a. Banken und größere Geschäfte) von
einem schwerbewaffneten Sicherheitsmann bewacht wurde.
Nach der Busfahrt sowie einer kurzen Taxifahrt von El Cuco eine Schotterstraße lang zur Playa Esteron, wurden wir von unserem favorisierten, aber leider ausgebuchten Hotel für die ersten zwei
Nächte in der nahen Dependence untergebracht. Egal, auch diese lag unter Kokospalmen direkt am Sandstrand und hatte einen Pool...ein Traum!!!
Als wir Sonntag ins "La Tortuga Verde" (die grüne Schildkröte) umziehen konnten, waren wir dennoch recht froh, da es dort mehr Infrastruktur wie WLAN, mehr Essensauswahl, Wasser zum Flaschenbefüllen u.ä. gab. Außerdem leben in dem Öko-Resort vier verletzte braune Pelikane sowie Schildkröten(eier), die dort aufgepäppelt werden.
Leider fing Romy dort in der ersten Nacht wie fast jeden Urlaub an zu spucken. Die Arme verbrachte insofern bei über 39°C Fieber den ganzen Montag im Bett unseres Bungalows bei Wasser und Elektrolyten. Zum Glück hatten wir eine Klimaanlage. Mittwoch war sie wieder einigermaßen fit.
Am Mittwoch (8.11.) fuhren wir ohne die Kinder per Bus direkt vom Hotel ins 1,5 Std. entfernte San Miguel zurück, da wir dringend unseren Bargeldvorrat an Dollars, auch für die Weiterreise
durch andere Länder, auffüllen wollten, und wir vor Ort erfahren hatten, dass der einzige Geldautomat der ganzen Region von einer Bank ist, bei der wir schon in El Tunco keinen Erfolg am
Automaten hatten. (Glücklicherweise funktionierte an unserem ersten Tag in El Salvador ein Automat einer anderen Bank bei uns. Wir hätten fast gejubelt nach dem Drama in Guatemala!)
Die Busfahrt war wieder mal recht abenteuerlich: Der Motor war ohrenbetäubend laut, der Fahrersitz bestand aus gespannten "wäscheleinenmäßigen" Riemen, wie man es von Gartenmöbeln der 70er Jahre
kennt, die Scheibe hatte große Sprünge (was nicht selten ist) und der größte Knüller war das Armaturenbrett, in dem sich anstelle des Tachos ein Loch befand- wozu muss man auch wissen, wie
schnell man gerade fährt!!! Wird völlig überbewertet !!!
Die ersten 20 Minuten fuhren wir eine unbefestigte Schotterstraße lang, die zum nächsten Ort führte und dem alten Bus sowie dem Fahrer mit tiefen Fahrrinnen, Baustellen und Fahrbahnverengungen
einiges abverlangte.
In der Ortschaft stiegen der Fahrer und sein Begleiter erstmal für 15 Minuten aus und verschwanden irgendwohin. Dabei gerieten wir in der sengenden Hitze ordentlich ins Schwitzen, da nun nicht
mehr der Fahrtwind durch die geöffneten Fenster und Türen (!) für Abkühlung sorgte.
Später passierten wir eine Unfallstelle, an der ein Auto wohl eine Böschung hinabgestürzt war, und nicht nur die Passagiere gafften, auch unser Fahrer verdrehte sich beim Weiterfahren so den
Hals, dass ich befürchtete, wir könnten dem Auto folgen.
Unser Busfahrer hatte dann in San Miguel tatsächlich einen kleinen Unfall, fuhr auf einer vierspurigen Straße wohl gegen das Auto neben uns, woraufhin er wie angestochen raussprang und die Sache
klärte. Derweil drückten sich die Fahrgäste die Nasen an der Scheibe platt, während die Autos hinter uns hupend rechts über den Fußweg auswichen. Nach wenigen Minuten ging es dann weiter.
Übrigens ist es in El Salvador üblich, dass die Busse vor der Abfahrt und an Haltestellen von mobilen Verkäufern durchkämmt werden. Dabei bieten die meisten lautstark Essen an (Nüsse, Chips,
Kekse, Bonbons, Schokoriegel, Getränke in Flaschen oder Plastikbeuteln, Früchte, Fleischspieße, sogar Pommes auf Einmalgeschirr oder Huhn mit Pommes von Pollo Campero, wenn so ein Laden gerade
nah bei ist), aber auch Hautcremes oder Tablettenblister in Waschschüsseln werden lautstark angepriesen und manchmal sogar Predigten über den Teufel und Jesus den Erlöser (Salvador) gehalten.
Langweilig sind Busfahrten in El Salvador jedenfalls nicht und hungern muss man auch nicht, zumindest wenn man schlauer ist als wir und an Kleingeld denkt, wenn man schon ohne Frühstück früh los
muss. In San Miguel gönnten wir uns deshalb nach dem schnell abgewickelten Bankgeschäft erstmal um 11.00 Uhr unser Frühstück in einem kleinen typischen Esslokal, bekamen allerdings nur noch
Mittagessen und bezahlten für ein Mittagessen und zwei Getränke 2, 25 $!
Die Rückfahrt erfolgte in demselben Bus und bei dem bekannten Fahrer, allerdings ohne Zwischenfälle. Uns klingelten jedoch danach die Ohren wegen des ohrenbetäubenden Motors.